Psychologie kommt in all meinen Büchern vor, weil sich echte Dramatik aus menschlichen Gefühlen entwickelt. Wenn die Ängste, die meine Charaktere ausstehen, für den Leser nachvollziehbar sind, werden diese sehr viel authentischer. Die Leser sollen gefesselt sein von der Lektüre, sie sollen dieselbe gefährliche Reise machen wie die Helden meiner Bücher. Oft geht es wie im Märchen zu, sei es nun in Filmen, Büchern oder dem Theater. Damit meine ich, dass wir im Grunde schon vorher wissen, dass es gut ausgehen wird für Spiderman. Ich möchte meinen Lesern mehr bieten – und Ungewissheiten sind immer aufregender und fordern mehr emotionale Beteiligung.
Wie bitte? Ich, ein Psychologe? Meine Frau sagt oft im Scherz, ich hätte überhaupt nur zwei Möglichkeiten gehabt: Schriftsteller oder Verbrecher werden. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ihr Letzteres nicht lieber gewesen wäre.
Ich glaube eigentlich nicht, dass ich ein neues Genre geschaffen habe. Aber wahrscheinlich habe ich mir eine Nische in der Welt der Thriller erobert. Die meisten Autoren dieses Genres kreieren Ermittler, Gerichtsmediziner oder Privatdetektive. Diese Leute betreten den Tatort ausgestattet mit besonderen Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen, die bösen Jungs zu schlagen. Mir liegt etwas anderes mehr: Im Zentrum meiner Geschichten stehen ganz gewöhnliche Leute; Leute, in denen man sich wiedererkennen kann. Diese Charaktere sind unabdingbar darauf angewiesen, eigene Kräfte zu mobilisieren – selbst wenn diese in ihrer Mittelklasseexistenz verschüttet gegangen sein sollten. Nur, wenn sie das schaffen, können sie in der Geschichte bestehen. Und, wie im Leben, müssen meine Figuren immer irgendwie dafür bezahlen, dass sie diese innere Ressourcen zum Einsatz bringen. Das gilt gleichermaßen für den jungen, schizophrenen Francis Petrel in „Die Anstalt“ wie auch für den Geschichtsprofessor, seine ihm fremd gewordene Frau und die Tochter im Teenageralter aus „Das Opfer“
Mmh, warum die deutschen Leser meine Bücher mögen? Ich würde nicht behaupten, dass ich das ganz genau weiß. Aber ich hätte da eine kleine Theorie: Mein Eindruck war immer, dass die Deutschen nicht darauf aus sind, auf komplizierte Fragen einfache Antworten zu finden. Sie lieben das Subtile und sind davon begeistert, Knoten zu entwirren.
Ich liebe das Schreiben! Obwohl, es ist nicht gerade der einfachste Beruf… Vielleicht wäre es doch leichter, ein Verbrecher zu sein. Für mich ist es immer am schwierigsten, wenn ich mit einer Geschichte beginne. Das ist etwa so, als würde man einen unbekannten Berg besteigen wollen. Ich weiß, dass ich die Ausrüstung habe – und auch den Willen. Aber es wird immer Momente der Ungewissheit und des Zweifels geben, Momente, in denen einem das Klettern leicht fällt, andere, in denen es kompliziert ist. Tief einatmen und dann die ersten Worte auf das leere Papier bringen – das ist der schwierigste Teil. Aber es ist paradoxerweise auch das Schönste. Denn wer das Abenteuer, einen Roman zu schreiben, nicht liebt, sollte auch gar nicht erst damit anfangen
Ich werde oft danach gefragt, woher ich die Inspiration für meine Bücher nehme. Wenn ich das wüsste… Ich freue mich darüber, dass ich immer genau dann eine neue Idee habe, wenn sich die Rechnungen auf meinem Schreibtisch zu stapeln beginnen. Bei dem Grundthema – Psychologisches zu verwenden, um Spannung zu erzeugen – werde ich wohl bleiben. Es scheint einfach zu mir zu passen. Wenn es nach meiner Hündin ginge, die unter dem Schreibtisch schläft, wenn ich schreibe, müsste ich wohl eher Sagen von heldenhaften französischen Pudeln verfassen. Aber ich habe ihr zu erklären versucht, dass sich für ein solches Genre wohl nicht genug Leser begeistern könnten – außer vielleicht in Frankreich…