Tatsächlich werde ich am häufigsten danach gefragt, wie denn der Prozess des Schreibens bei mir aussieht. Die Leser sind begierig zu erfahren, wie genau ein Roman entsteht, wo und wie die Ideen für einen Plot entwickelt wurden und durch welche Geistesübungen die Charaktere das Laufen gelernt haben. Viele Leser glauben, dass die Antworten auf diese Fragen in der täglichen Schreibarbeit liegen. Das ist zwar nicht ganz falsch – aber bei näherer Betrachtung doch eine äußerst ungenügende Antwort.
Mein Tag – als Autor – ist ein ziemlich einfacher. Morgens verschlinge ich die Zeitungen: den „Boston Globe“ wegen seines Sportteils, die „New York Times“ für Nachrichten aus den USA und dem Rest der Welt. Dann ziehe ich mich in mein Büro zurück – wo ich mir alle Mühe gebe, die Ablenkungen durch das Internet zu meiden – und stürze mich in mein Tagewerk. Meist beginne ich damit, das am Vortag Geschriebene zu überarbeiten, und kämpfe mich dann weiter vor. Im Laufe der Jahre habe ich herausgefunden, dass meine Produktivität als Schriftsteller nach vier bis fünf Stunden Auf-den-Bild-schirm-Starren nachzulassen beginnt. Die besonderen Details, die, so hoffe ich, meine Prosa lebendig werden lassen, entziehen sich mir, wenn ich zu lange arbeite. Also mache ich dann in der Regel eine Pause, jogge (täglich etwa acht bis zehn Kilometer) und erledige dann meine Korrespondenz. Zahle Rechnungen. Gebe meiner Hündin einen Hundekuchen (ein Höhepunkt ihres Tages). Irgendwann werfe ich dann meine Musikdateien an und kehre zurück zu dem, was ich an diesem Tag geschrieben habe – jetzt allerdings begleitet von irgendeiner „elektrischen“ Musik, z.B. ZZ Top oder Eric Clapton, oder etwas Subtilerem wie Bela Fleck oder Leo Kottke. Betrachtet man seinen Alltag, ist das Leben eines Romanautors nicht besonders aufregend. In Wirklichkeit passiert nicht viel.
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