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Interview mit John Katzenbach

 

Frage: Wie sieht eine Themenrecherche à la Katzenbach aus? Wer berät Sie in fachlichen Dingen?
John Katzenbach: Aha, die Recherche also. Wissen Sie, eiserne Regeln habe ich nicht, außer der, dass ich will, dass jede Szene glaubwürdig ist. Also tue ich einiges dafür, dass sich die Charaktere, die ich erfinde, in einer Weise verhalten, die psychologisch und emotional nachvollziehbar ist. Die größte Angst habe ich davor, dass Leser sagen könnten: ‚Das macht aber keinen Sinn. Niemals würde sich jemand so verhalten!’ Denn dann hätte ich einen großen Fehler gemacht. Ich möchte, dass der Leser sagt: ‚Ja, genau! Das hätte mir auch passieren können.’ Wenn ich eine solche Reaktion auslöse, weiß ich, dass Spannung und Dramatik „echt“ sind. Die Dinge müssen einfach stimmen. Wenn ich den Insassen eines Kriegsgefangenenlagers beschreibe, müssen die Leute denken: So könnte es gewesen sein. Das Gleiche gilt, wenn ich über die Psychiatrie schreibe.

Frage: Ein Blick hinter die Kulissen: Quälen Sie sich beim Schreiben, oder geht es Ihnen leicht von der Hand?
John Katzenbach: Ich liebe das Schreiben! Obwohl, es ist nicht gerade der einfachste Beruf… Vielleicht wäre es doch leichter, ein Verbrecher zu sein. Für mich ist es immer am schwierigsten, wenn ich mit einer Geschichte beginne. Das ist etwa so, als würde man einen unbekannten Berg besteigen wollen. Ich weiß, dass ich die Ausrüstung habe – und auch den Willen. Aber es wird immer Momente der Ungewissheit und des Zweifels geben, Momente, in denen einem das Klettern leicht fällt, andere, in denen es kompliziert ist. Tief einatmen und dann die ersten Worte auf das leere Papier bringen – das ist der schwierigste Teil. Aber es ist paradoxerweise auch das Schönste. Denn wer das Abenteuer, einen Roman zu schreiben, nicht liebt, sollte auch gar nicht erst damit anfangen.

Frage: Gibt es ein Thema, über das Sie gerne schreiben würden, es aber nicht tun, weil Sie es Ihren Lesern nicht zumuten wollen?
John Katzenbach: Eigentlich fällt mir keines ein. Obwohl es doch einige geschmacklose Themen wie Kinderpornografie gibt, über die ich sicherlich nicht schreiben würde. Aber ehrlich gesagt kann ein Buch besser sein, je provokativer das Thema ist. Ich habe über die Rassenproblematik, über Homosexualität und über Armut geschrieben – immer im Stil von Thrillern. Gibt es eine gesellschaftliche Problematik im Hintergrund, bekommt der Thriller eine größere Tiefe. Solch ein Buch regt zum Denken an. Und das ist gut, selbst wenn der Leser eigentlich auf der Suche war nach einem Abenteuer, das ihn von der Wirklichkeit ablenkt.

Frage: Verbinden Sie mit Ihren Büchern auch eine gesellschaftliche Botschaft? Wenn ja: Wie lautet sie?
John Katzenbach: Zu viel davon sollte es meiner Ansicht nach nicht geben. Die Leser wollen sich auf eine gute Geschichte einlassen – und nicht belehrt werden! (Letzteres ist doch eher ein Privileg unserer Politiker, oder?) Und doch möchte ich in meinen Geschichten auch gesellschaftlich Relevantes erzählen. Allerdings sollte es sozusagen unter der Oberfläche brodeln.

Frage: Wie generieren Sie neue Themen? Worauf dürfen Ihre deutschen Leser gespannt sein?
John Katzenbach: Ich werde oft danach gefragt, woher ich die Inspiration für meine Bücher nehme. Wenn ich das wüsste… Ich freue mich darüber, dass ich immer genau dann eine neue Idee habe, wenn sich die Rechnungen auf meinem Schreibtisch zu stapeln beginnen. Bei dem Grundthema – Psychologisches zu verwenden, um Spannung zu erzeugen – werde ich wohl bleiben. Es scheint einfach zu mir zu passen. Wenn es nach meiner Hündin ginge, die unter dem Schreibtisch schläft, wenn ich schreibe, müsste ich wohl eher Sagen von heldenhaften französischen Pudeln verfassen. Aber ich habe ihr zu erklären versucht, dass sich für ein solches Genre wohl nicht genug Leser begeistern könnten – außer vielleicht in Frankreich…

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